Exkursion der Zehntklässler in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Haus des Gedenkens

Am Freitag, dem 15.11. besuchten Schüler der 10. Klassenstufe zusammen mit Frau Rathjen, Frau Frees und Frau Frerichmann die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Anlass dazu war das momentane Thema „Nationalsozialismus“ im Geschichtsunterricht.

Um 8.05 Uhr traf man sich, um mit dem Zug & Bus nach Neuengamme zu fahren und erfreulicherweise gab es keine Probleme mit dem Metronom, denn momentan gibt es kurz vor dem Hamuburg-Hauptbahnhof eine langwierige Baustelle. In Neuengamme angekommen wurden die Schüler erst einmal in vier Gruppen geteilt.

Jede Gruppe bekam einen Guide, der einen über das Gelände führte und diverse Information über das Leben im KZ und dessen Geschichte im Allgemeinen mitteilte. Zudem wurde die Ausstellung im Hauptgebäude und auch in der Halle des Gedenkens besichtigt. Bei der Tour über das Gelände wurden zudem das Klinkerwerk, der Stichkanal, die Waffenfabrik Walters und das Mahnmal gezeigt.

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Standort der ehemaligen Baracken der Inhaftierten

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme existiert erst seit 2006 und ist ein ca. 50 Hektar großes Gelände, auf dem sich das ehemalige KZ Neuengamme befand. Bevor es zur Gedenkstätte wurde, wurde es seit dem Ende des 2. Weltkrieges als Gefängnis genutzt. Rund die Hälfte der im KZ Inhaftierten überlebte die Zeit bis 1945. Neuengamme war ein KZ ohne Gaskammern, hier galt “Tod durch Arbeit”. Inhaftierte waren z.B. politische Gegner, Homosexuelle, Russen, Polen, Verbrecher, Sinti und Roma sowie Zeugen Jehovas. Sie lebten unter sehr schlechten Bedingungen: Sie bekamen nicht ausreichend zu essen und mussten teilweise zu zweit und zu dritt in einem schmalen nicht einmal ein Meter breitem Bett schlafen, sodass sich Krankheit in regelrechte Epidemien verwandelten.

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist wirklich einen Besuch wert. Es macht aber mehr Sinn, sich in Gruppen dort anzumelden und dann von einem Guide über das Gelände geführt werden.

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Ehemaliger Bunker mit 5 Zellen; Nutzung zur Einzelhaft ohne Nahrung und Wasser

Natürlich fragt ihr euch wahrscheinlich, wieso man sich so etwas angucken sollte und wollte. Für mich war es einfach sehr interessant und informativ zu erfahren, was mit den Inhaftierten damals passiert ist und wie deren Leben aussah. Natürlich war es nicht schön und auch Berichte und Bilder von Zeitzeugen schildern die Grausamkeiten und die Demütigung, die in diesen KZs herrschten. Und Neuengamme war noch nicht einmal das schlimmste Konzentrationslager, denn es gab hier keine Gaskammern (bis auf eine Ausnahme: im Bunker (siehe Bild) wurden gegen Ende des 2. Weltkrieges Rohre zur Vergasung eingebaut. Dort wurden einmal ca. 100 und einmal ca. 215 Russen vergast. Alleine die Vorstellung auf so engem Raum mit 200 anderen Menschen eingesperrt zu sein ist schon schrecklich und man kann erkennen wie grausam die SS (Schutzstaffel) war.) Aber wie war das dann  z.B. in Auschwitz-Birkenau, wo mehr als 1 Million Menschen vergast wurden?!

Trotzdem gibt es auch Geschichten wie die von Fritz Bringmann: Er war Sanitäter und musste erleben, wie die SS-Ärzte mit den Häftlingen umging. Er konnte aber auch einige vor dem Tod retten, weil er sich weigerte, ihnen Todesinjektionen zu verabreichen. Eigentlich sein Todesurteil, doch er war gebildet und konnte übersetzen, so war er zu wichtig für die SS und durfte weiter leben. Die, die durch seine Weigerung überlebt haben, wollten ihm danken und schnitzten und bemalten Fritz ein Blatt aus Holz. Was eigentlich unmöglich war, denn die Häftlinge besaßen nichts, außer der Kleidung, die sie am Leib trugen. Etwas später half ein Junge aus der Küche (es gab extra Häftlinge, die nur in der Küche/ Küchenhaus arbeiteten; sie waren “privilegiert” und verrichteten die “einfachste” Arbeit ) Fritz und brachte ihm zu essen. Dafür war Fritz Bringmann so dankbar, dass er dem Jungen auch etwas geben wollte. Doch das Einzige was er besaß, war dieses Blatt. Jahre später hält er als Zeitzeuge seine erste Rede in Osnabrück. Dort erzählt er auch diese Geschichte. Und aus dem Publikum erhebt sich ein Mann und sagt: “Ich hab noch etwas für sie”. Es stellte sich heraus, dass es der Junge aus dem KZ war, der Fritz Bringmann geholfen hatte…

Solche Geschichten finde ich faszinierend, wie Menschen unterschiedlicher Kulturen einander in dieser Zeit halfen. Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist also nicht nur etwas für Geschichtsfreunde, sondern für Jedermann und wirklich zu empfehlen.

Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich mal diesen Link anschauen: http://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de

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