Repräsentant von Taiwan zu Besuch in Berlin – „Unsere erkämpfte Freiheit geben wir nicht wieder her”

So äußert sich Taiwan gegen die Bedrohung durch die Weltmacht China

„Die Beziehung zwischen Taiwan und China ist großartig. China ist groß und Taiwan ist artig.“ So beurteilt der 64-jährige ranghöchste Repräsentant von Taiwan, Professor Dr. Jhy-Wey Shieh, das angespannte Verhältnis der beiden Nachbarländer. China beansprucht die Gewalt über Taiwan, doch der kleine Inselstaat möchte selbstständig bleiben. Demokratisch, vielfältig, innovativ und bedroht – Wie soll die Zukunft Taiwans aussehen?

Rund 1200 Raketen in Richtung Taiwan schmücken die Küste Chinas. Der 36.000 km 2 große Staat Taiwan, der von seinem gigantischen Nachbar selbst als „abtrünnige“ bezeichnet wird, ist somit praktisch umzingelt. Bereits seit Jahren verlangt China als „Reich der Mitte“ die Hoheit über die Insel, doch Taiwan bleibt stark. Dabei ist der Staat mittlerweile isoliert in der gesamten Welt: Ein Einreiseverbot aller Minister in EU-Länder, der Ausschluss von den meisten internationalen Organisationen und keine Anerkennung als eigenständiger Staat verhindern jegliche Annäherung. Dies änderte allerdings nichts an der stetig steigenden Wirtschaftskraft des Staates, dessen Bruttoinlandsprodukt über die Jahre rasant zunahm. So fanden einige namenhafte Computerfirmen wie Acer oder Asus ihre Ursprünge im fortschrittlich digitalisierten Taiwan. „Unsere Wirtschaft könnten wir weiter ankurbeln, wenn wir uns China „wieder anschließen“ würden.

Jedoch wäre ein Großteil der Gesellschaft nicht damit einverstanden, denn wir würden dann materielle Werte, wie die wirtschaftlichen Stellung, gegen die Freiheit der Demokratie eintauschen“, meint Professor Dr. Shieh.

China (800x533)

Professor Dr. Jhy-Wey Shieh im Gespräch

Doch auch in der Politik ist der Inselstaat anderen asiatischen Ländern einen Schritt voraus. Bereits seit 1987 gibt es eine funktionierende Demokratie und seit 2016 hat Taiwan mit Tsai Ing-wen offiziell eine Frau als Präsidentin. Der Fokus liege auf Toleranz und Freiheit, weshalb Taiwan das erste asiatische Land mit legalisierter homosexueller Ehe ist und sich damit immer weiter vom chinesischen Kulturkreis entfernt. „Wir Taiwaner leben in einer pluralistischen Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit herrscht. Daher teilen wir die europäischen Werte. Ich würde sogar sagen, Europa teilt unsere Werte. Solange es in China keine Freiheit gibt, wird es auch keine Einheit von China und Taiwan geben“, so Professor Dr. Jhy-Wey Shieh. Der Repräsentant von Taiwan vermutet, der Tourismus sei die Zukunft seiner Heimat. Allein 2016 besuchten über 10,6 Millionen Menschen die facettenreiche Insel. Doch eines steht fest: Die Bewohner Taiwans sind keine Japaner oder Chinesen- es sind Taiwaner.

Taiwan ist zwar klein, aber demokratisch und frei. Es ist eine moderne und tolerante Gesellschaft, die sich nicht einschüchtern lässt.

 

von Tom Kinast

 

Kategorien: Schulleben

Kommentare sind deaktiviert.